Dienstag, 4. Januar 2011

UU feierte Jubiläum... und keiner hat's gemerkt

Foto: © RTL 2010
Am 28.12. strahlte RTL die 4000. Episode von UU aus – ohne grossen Ereignisse, ohne grosses Tamtam, ohne ergreifende Dramaturgie. Nicht einmal der Folgentrailer im RTL-Nachmittagsprogramm erwähnte das bevorstehende Jubiläum. Immerhin „Bild online“ zitierte, dass „die heisseste Soap Deutschlands“ Jubiläum feierte.
Man merkt, dass die Glanzzeiten von UU vorbei sind: Vor 2000 Folgen noch leistete man sich eine monothematische Doppelfolge in Irland, vor 1500 Folgen eine Doppelfolge in Zypern. So etwas ist heute undenkbar: jegliche Kosten und Mühen werden gescheut, um UU auch nur ein Hauch eines Glanzes zum Jubliäum zu geben. Nicht einmal einen Aussendreh – den es bei UU ohnehin sonst praktisch gar nicht mehr gibt - in Köln oder Umgebung gönnte man sich zum Jubiläum. Zurück blieben ein paar gewöhnliche Szenen an der Studioaussenkulisse und im immer gleichen Krankenhauszimmer, wo stets ein Weigel rumliegt (mal Wolfgang, mal Anna, mal Rolf).
Einen Grund hat das ganze sogar: Das Jubiläum fiel zwischen Weihnachten und Silvester und ging damit so oder so im Feiertagsprogramm von RTL gnadenlos unter. Zum Vergleich: die 2000. Folge wurde 2002 am 8. Januar ausgestrahlt – nach der Feiertagsprogrammperiode. Völlig zu Recht fuhr daher die 4000. Episode, die sich kein bisschen von den vorherigen Folgen unterschied, nur durchschnittliche Quoten ein.



Um der Serie doch noch so etwas wie eine Hommage zum 16-jährigen Bestehen zu geben, soll hier mal Vergleich zwischen UU der Anfangszeiten und UU heute gezogen werden:
Kulissen: damals wurde noch in Köln Hürth gedreht. Es gab sehr viele Aussendrehs, u.a. auch zahlreiche vor dem „echten Schillerallee 10-Haus“ an der Rolandstrasse in Köln. Mit dem Umzug der Produktion nach Ossendorf im Jahre 2000 wurden die Grundrisse des Hauses deutlich verändert – dies aus produktionstechnischen Gründen, um den Workflow zu verbessern. Als 1994 die Kulissen gebaut wurden, hatte man kaum Soaperfahrung. Mit den Sendejahren wurde den Machern nach und nach klar, welche Kulissen besser bespielbar und zum Drehen besonders geeignet sind. Dies wurde im Rahmen des Umbaus berücksichtigt.
Machart: die war 1994 ganz klar unterirdisch. Die Tonqualität war mies, das Licht wirkte improvisiert (wenn überhaupt), die Kameraführung war statisch. Die Szenen erinnerten an ein Theaterstück, wo die Schauspieler drei Wände zur Verfügung haben, an einem Tisch sitzen und andere durch die Türen ein- und ausgehen. Heute ist die Kameraführung viel dynamischer und sehr verspielt. Dadurch merkt man kaum noch, dass nur drei Wände bespielt werden. Die Bilder werden zudem mit einem speziellen Weichzeichnungsfilter gerendert, um der Serie einen eigenen Look zu geben.
Charakteren: diese waren früher deutlich unterschiedlicher, vielschichtiger und ausgeprägter: Chris, der selbstverliebte Schönling, Till, der sympathische Draufgänger, Toni die selbstbewusste Quersteherin, Corinna, der absolute Männerschwarm, Jenny, die Männerhasserin, Melanie, das Landei, Armin, der übercoole Blender, Aylin, die aufdringliche Putzfrau, Alexander, der schüchterne Streber und Laura, das Biest. Heute sind die lieben Rollen vom Charakter her fast alle gleich: die liebe Rebecca, die liebe Ute, der flotte Paco, der flotte Malte, der flotte Rufus, der liebe Easy, der bodenständige Till. Ein wenig Abwechslung bringen da wenigstens Heidi, die zwar auch lieb ist, aber durch die Freigabe ihres Kindes zur Adoption doch ein Novum brachte. Ausserdem Micki, die durch ihre Art sehr unkonventionell ist, sowie Eva, die zwar völlig übertrieben agiert aber wenigstens für Stimmung sorgt, und Henning, der zwar nervig ist, aber durch seine Spiessigkeit sich immerhin von den anderen Charakteren grundsätzlich unterscheidet. Und da wären noch Rolf und Sina, ein bisschen böse, ein bisschen psycho. Früher gab es mit Margot und Sophie zudem auch eine ältere Generation, diese fehlt – im Rahmen des Jugendwahns in RTL-Soaps – mittlerweile vollständig.
UU geht weiter, ohne grossen Anspruch, an Anfangszeiten zu knüpfen. Allerdings kann sich Grundy UFA nicht auf Lorbeeren ausruhen: die Einschaltquoten sind wenn überhaupt nur durchschnittlich, die Scripted Reality-Doku „Betrugsfälle“, die vor UU läuft, fährt sowohl bei den Marktanteilen als auch in ganzen Zahlen deutlich höhere Werte ein – und dies bei deutlich geringeren Produktionskosten. Und das jüngste Beispiel bei „Marienhof“ hat gezeigt, dass auch Kultserien der Stecker gezogen werden kann.

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