Donnerstag, 16. Juni 2011

Die letzte Folge des „Marienhof“ – und ein Ausblick auf die Verbliebenen

© 2011 ARD

Mit Folge 4053 verabschiedete Das Erste die Daily-Soap „Marienhof“. Sie gehört, gemeinsam mit der „Verbotenen Liebe“, „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ und „Unter uns“, zu den ersten vier deutschen Dailys überhaupt und zu den einzigen aus den 90er-Jahren, die sich wirklich durchsetzen konnten, während das ZDF, Sat.1, RTL II und ProSieben kläglich scheiterten. Zu den „Big Four“ konnte sich erst 2006 wieder eine tägliche Seifenoper dazugesellen: „Alles was zählt“.
Zum Serienfinale engagierten die Macher zwei ehemalige Stars – Laura Schneider und Sascha Heymanns. Schneider spielte 1998-2000 Lee Neuhaus – das sympathische Mädel mit den dunklen Rastalocken. Damals holte der „Marienhof“ traumhafte Einschaltquoten. Doch auch die Rückkehr des ehemaligen Soaptraumpaars schaffte es nicht, das Interesse der Zuschauer zu wecken. Bis zum Schluss blieben die Quoten mager.


"Wir fangen nochmal neu an"
 - die letzte Szene
© 2011 ARD
Die letzte Folge des MH war emotional: Inge Busch (gespielt von Viktoria Brams, dem letzten Urgestein der Serie) plante ihren letzten Lebensabschnitt: mit der in der Lotterie gewonnen Million wieder eine Gärtnerei zu eröffnen – diesmal mit der Unterstützung ihres Enkels. "Wir fangen nochmal neu an", so der letzte Satz in der Serie, natürlich von Brams ausgesprochen. In den letzten Szenen wurden – untermalt von amerikanischer Musik – Höhepunkte der letzten fast 19 Jahre gezeigt. Sogar einige Szenen aus der 1. Staffel mit Untermalung der Originaltitelmusik aus dem Jahre 1992-1994, als der „Marienhof“ noch keine Daily war. In der Schlussszene winken und umarmen sich die Bewohner  - und eine Herde an ehemaliger Bewohner gesellt sich dazu. So schaffte es die Serie doch noch überraschenderweise zu einem runden Abschluss, obwohl die anderen Storylines in den letzten Wochen nicht wirklich auf ein Finale hin dirigierten. Brams nimmt das Ende eher sportlich: „Es war schon traurig, es flossen bei einigen Kollegen auch Tränen. Ich sag eher: Wie schön, dass ich so etwas über 18 Jahre lang machen durfte. Außerdem war ich schon vorbereitet, das Ende war mit den sinkenden Quoten ja abzusehen.
Der „Marienhof“ wurde von Bavaria in München produziert, obwohl der Handlungsort der Serie in Köln ist. Dies ist wohl eine Anekdote an die Mutterserie „Lindenstrasse“, welche in Köln produziert wird, aber in München spielt.
Mit dem Ende des MH erbt die Produktionsfirma Grundy UFA ein Monopol bei den Daily-Soaps. Kritisch gesehen war der „Marienhof“ wohl eher einer der besseren täglichen Serienformate. Die Serie hatte eher anspruchsvolle Themen und war näher an der Realität und am Alltagsleben orientiert als die anderen Soaps  – ohne künstliche Überspitzungen oder Verschönungen. Grundy-Soaps hingegen sind viel überzeichneter und zielgruppenorientierter.

Auch „Unter uns“ stand vor einigen Jahren im Zuge der Wirtschaftskrise kurz vor dem Aus. Doch anstatt die Serie einzustellen, entschied sich Grundy UFA Kosten zu sparen – in jeglicher Hinsicht. So wird ein Jahr Sendezeit in gerade mal acht Drehmonaten fertiggestellt. Dies ist nur möglich, weil die Kulissen von UU auf zwei verschiedenen Studios aufgeteilt ist – und dadurch zwei Teams parallel drehen können.
Die „Verbotene Liebe“ darf nun im Ersten in doppelter Sendezeit weitermachen mit neuem Handlungsstrang in Mallorca, wo drei Rollen aus dem Urcast zurückgeholt wurden: Isa Jank alias Clarissa von Anstetten – die Grande Dame der Soapbiester sowie das Ur-Traumpaar und Grundstein des Serientitels: Jan und Julia. Leider nicht mehr von Valerie Niehaus und Andreas Brucker sondern durch zwei Gesichter, die in täglichen Serien schon völlig verbraucht sind: Nina Bott („Gute Zeiten Schlechte Zeiten“, „Alles was zählt“) und Hubertus Grimm („Wege zum Glück“). Dies ist bedauernswert. Zwei neue, unverbrauchte Gesichter hätten der Serie wahrscheinlich besser geholfen. Denn im heutigen Telenovela- und Soapdschungel durchblickt man kaum noch wer wo mitspielt, erst recht nicht, wenn Schauspieler ständig die Soaps wechseln. So war beispielsweise Hendrik Borgmann gleichzeitig in den letzten Folgen des „Marienhofs“ als auch bei Sat.1 in „Hand aufs Herz“ zu sehen. Mit Bott und Grimm erhält das Traumpaar wohl kaum einen neuen Wiedererkennungswert, aber vielleicht wird Jank es allein durch ihre Anwesenheit richten können, wurde ihr Comeback doch schon seit Jahren heraufbeschwört.
Bei „Unter uns“ hingegen ist man mit dem Zurückholen von alten Figuren eher zurückhaltend, wenn man mal von Anna Weigel absieht, die jedoch nie wieder von Janis Rattenni besetzt wurde. Auch wo ihr Bruder Chris mit Ehefrau Corinna und Tochter Cecilia bleiben, fragt sich die Fangemeinde heute noch. Sie könnten perfekt in die Geschichten eingeflochten werden. Vielleicht hat man sich beim neuen „Unter uns“-Star, Maximilian Claus („Erik Hensen“) eine grosse Chance vertan: seine Ähnlichkeit mit Chris Weigel-Darsteller Oliver Bootz ist verblüffend. Aber da Recasts bei „Unter uns“ traditionsgemäss äusserst mager sind im direkten optischen Vergleich mit dem Originalschauspieler, wäre es wohl ein Regelbruch gewesen, ihn als Chris zu recasten, zumal er vom Alter her etwas zu jung wäre (was aber wohl niemanden stören würde, zumal er Hennings Freund spielt und damit sowieso eine ältere Rolle darstellt).

Der „Marienhof“ ist nun im Fernsehfriedhof vergraben worden – R.I.P. Marienhof. Es ist viel passiert. Es wird nichts mehr passieren.

Kommentare:

  1. Till und Tante Sophie sind von den Urcastrollen auch später zurückgeholt worden bei Unter uns. Generell finde ich es richtig, Chris und Corinna auf den Malediven zu lassen. Die Weigels sind zwar ein wichtiger Bestandteil und vielleicht sogar der wichtigste Bestandteil der Serie, aber sie sind nicht alles, was Unter uns ausmacht. Es gab immer ein Gleichgewicht zwischen den Weigels und ihren Nachbarn, die andere Aspekte der Serie abgedeckt haben. Würde man drei weitere Weigels reinschreiben und dafür notgedrungen zwei bis drei andere Rollen rausschreiben, würde das Gleichgewicht langsam nicht mehr bestehen. Ich bin auch ganz ehrlich in der Hinsicht, dass ich zum Beispiel einen Malte Winter nicht für einen Chris Weigel opfern will, den ich immer sehr einseitig und mit Abstand den schlechtesten Weigel fand.

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  2. Keine Recasts?? Was ist mit Anna (2 mal gerecastet) und Till?? Gut, das sind die Einzigen, oder?

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